Eine Behandlung kann enden. Ein Entzug kann abgeschlossen sein. Ein Mensch kann seit Wochen oder Monaten nicht mehr konsumieren – und trotzdem fehlen Wohnungssicherheit, Tagesstruktur, Arbeit, soziale Kontakte, Bewegung, Vertrauen oder ein Ort, an dem man wieder selbstverständlich dazugehören kann.
Das Projekt in Zahlen – als Planungsziel
Eine Lücke, die nach der Behandlung bleibt
Klassische Suchthilfe, Therapie, medizinische Versorgung und Selbsthilfe bleiben unverzichtbar. Der Nüchterne Kompass soll nichts davon ersetzen.
Er setzt dort an, wo eine andere Aufgabe beginnt: Wie wird aus Stabilisierung wieder Alltag? Wie wird aus Hilfe wieder Teilhabe? Und wie findet ein Mensch nach einer langen Suchterkrankung zurück zu Beziehungen, Bewegung, Bildung, Beschäftigung und Zugehörigkeit?
Nicht nur weg von der Sucht.
Sondern zurück ins Leben. Genesung soll nicht dauerhaft nur zwischen Beratungsstelle, Behandlung und Selbsthilfegruppe stattfinden. Irgendwann muss sie auch im normalen Alltag tragfähig werden.
Eigenständig heißt bei uns wirklich eigenständig
Der Nüchterne Kompass ist kein Modul des Frühwarnsystems und keine Verlängerung des Krisen-Chats.
Das Modell soll eine eigene fachliche Logik, eigene Projektsteuerung, eigene Finanzierung, eigene Zugangswege, eigene Qualitätsstandards und eine eigene Evaluation erhalten.
Ein Mensch soll den Kompass vollständig nutzen können, ohne jemals das BRÜCKEN Frühwarnsystem oder den Krisen-Chat verwendet zu haben.
Drei Ebenen – eine gemeinsame Richtung
Die BRÜCKEN-Projekte sollen sich ergänzen, ohne sich gegenseitig vorauszusetzen.
Frühwarnsystem
Untersucht freiwillig, ob sich persönliche Muster so verändern, dass ein früher Unterstützungsimpuls sinnvoll sein könnte.
Krisen-Chat
Schafft in belastenden Momenten einen geschützten schriftlichen Weg zu qualifizierter menschlicher Begleitung.
Nüchterner Kompass
Begleitet nach Krise, Behandlung oder früher Stabilisierung beim Aufbau eines tragfähigeren Alltags und realer gesellschaftlicher Teilhabe.
Und BRÜCKEN CONNECT? CONNECT bleibt perspektivisch eine freiwillige Verbindungsfunktion innerhalb der digitalen Strategie: ein möglicher Übergang zu Mensch, Gruppe oder realer Begegnung. Es ist nicht der Nüchterne Kompass. Der Kompass ist ein eigenständiges Recovery-Modell, das einen freiwilligen Übergang aus anderen BRÜCKEN-Angeboten annehmen kann – aber nicht davon abhängt.
Unsere zentrale Idee: Die Stadt wird Teil der Genesung
Ein Mensch in Genesung braucht irgendwann wieder Orte, an denen er nicht in erster Linie Patient, Klient oder „Suchtkranker“ ist. Er braucht Orte, an denen er wieder Teilnehmer, Nachbar, Sportler, Kursteilnehmer, Kollege, Ehrenamtlicher, Vater, Mutter oder Freund sein kann.
Deshalb soll der Nüchterne Kompass nicht nur Kontakte zur Suchthilfe vermitteln. Er soll ein lokales Netz aus realen Möglichkeiten aufbauen.
1 · Der persönliche KOMPASS-PLAN
Am Anfang steht keine Diagnose und kein algorithmischer Score. Am Anfang steht eine einfache Frage: Wo stehe ich heute – und was würde mein Leben konkret stabiler machen?
Gemeinsam mit einem Recovery Navigator werden wenige relevante Lebensbereiche betrachtet. Aus ihnen entsteht kein Hilfeplan mit zwanzig Aufgaben, sondern eine überschaubare Zahl konkreter nächster Schritte.
Wohnen
Ist die Wohnsituation stabil? Gibt es Konflikte, Wohnungslosigkeit oder drohenden Wohnungsverlust?
Arbeit & Bildung
Gibt es Arbeit, Ausbildung, Qualifizierung oder eine realistische nächste Perspektive?
Alltag
Gibt es Tagesstruktur, Schlafrhythmus, Termine und Routinen, die Halt geben?
Beziehungen
Welche Kontakte tragen? Welche Beziehungen belasten? Wo fehlt soziale Verbindung?
Gesundheit
Welche medizinische, psychotherapeutische oder suchtspezifische Unterstützung besteht bereits?
Bewegung & Freizeit
Welche Aktivitäten können Freude, Struktur und Begegnung ermöglichen?
Finanzen & Behörden
Gibt es Schulden, ungeklärte Schreiben, fehlende Dokumente oder andere praktische Barrieren?
Zugehörigkeit & Perspektive
Wo erlebt der Mensch Sinn, Anerkennung und das Gefühl, wieder Teil der Gesellschaft zu sein?
2 · Recovery Navigator: Ein Mensch geht ein Stück mit
Technik kann Informationen sortieren. Aber jemanden zum ersten Termin begleiten, gemeinsam ein schwieriges Schreiben ordnen oder beim ersten Besuch eines neuen Ortes dabei sein kann sie nicht.
Recovery Navigatorinnen und Navigatoren sollen Menschen mit eigener Genesungserfahrung oder besonders geeigneter sozialer Erfahrung sein, die für diese Rolle qualifiziert, fachlich begleitet und regelmäßig supervidiert werden.
Was Navigatoren tun können
Orientieren, motivieren, gemeinsam einen nächsten Schritt planen, passende Angebote finden, erste Kontakte erleichtern und den Übergang in reale Teilhabe begleiten.
Was Navigatoren nicht sind
Keine Therapeutinnen oder Therapeuten, keine medizinische Versorgung und kein Ersatz für professionelle Suchtberatung, Psychiatrie oder Krisenmedizin.
Qualifizierung gehört zum Modell
- Rollenverständnis, Grenzen und Nähe/Distanz
- Recovery-orientierte Gesprächsführung
- Krisenerkennung und definierte Weiterleitungswege
- Datenschutz, Dokumentation und Safeguarding
- Kenntnisse der lokalen Hilfelandschaft
- interkulturelle Sensibilität und Mehrsprachigkeit
- Selbstfürsorge und regelmäßige Supervision
Eigene Erfahrung ist wertvoll.
Professionelle Struktur macht sie sicher nutzbar.
3 · 100 TAGE ZURÜCK INS LEBEN
Als Kern des Pilotmodells wollen wir eine strukturierte Begleitung über ungefähr 100 Tage erproben. Die 100 Tage sind kein Heilungsversprechen und kein „Nüchternheits-Challenge“. Sie sind ein überschaubarer gemeinsamer Arbeitszeitraum, der praktisch umsetzbar und evaluierbar ist.
ORIENTIEREN
Wo stehe ich? Was funktioniert bereits? Was belastet mich? Was muss nicht heute gelöst werden – und welcher erste Schritt wäre tatsächlich machbar?
STABILISIEREN
Bestehende Hilfen sichern, Tagesstruktur aufbauen, akute praktische Barrieren bearbeiten und erste verlässliche Kontakte herstellen.
TEILNEHMEN
Raus aus der reinen Hilfestruktur: Sport, Kurs, Verein, Bildung, Ehrenamt oder eine andere regelmäßige Aktivität im normalen gesellschaftlichen Leben.
AUFBAUEN
Was trägt? Welche Beziehungen, Routinen, Tätigkeiten und Hilfen sollen dauerhaft bleiben? Was muss verändert werden?
WEITERGEHEN
Was funktioniert inzwischen selbstständig? Welche Kontakte bleiben? Welche professionelle Hilfe wird weiter benötigt? Wie sieht der nächste Abschnitt aus?
Ziel ist nicht Abhängigkeit von einem neuen Hilfesystem. Ziel ist mehr eigene Handlungsfähigkeit.
4 · KOMPASS-ORTE: Reale Türen zurück in die Teilhabe
Ein KOMPASS-ORT muss keine Suchthilfeeinrichtung sein. Im Gegenteil. Es kann ein Sportverein, Kulturzentrum, Bildungsträger, sozialer Betrieb, Arbeitgeber oder anderer geeigneter Partner sein.
Im Pilot soll gemeinsam mit Partnern ein einfacher, transparenter Qualitätsrahmen entwickelt werden. Mögliche Kriterien sind eine feste Ansprechperson, respektvoller und nicht stigmatisierender Umgang, klare Zuständigkeitsgrenzen, transparente Kosten, niedrigschwellige Erstkontakte und definierte Rückwege zu professioneller Hilfe.
Wichtig: Die Bezeichnung KOMPASS-ORT soll im Pilot zunächst eine Projektkennzeichnung und keine formelle Zertifizierung darstellen. Erst die Evaluation soll zeigen, ob daraus später ein übertragbarer Qualitätsstandard entstehen kann.
5 · KOMPASS-FONDS: Wenn 29 Euro den nächsten Schritt blockieren
Kleine Summe. Konkreter nächster Schritt.
Manchmal scheitert Teilhabe nicht an Motivation, sondern an einer Fahrkarte, einem ersten Vereinsbeitrag, Arbeitskleidung oder einer Kursgebühr. Genau für solche klar definierten praktischen Hindernisse soll ein projektgebundener Teilhabe-Fonds entwickelt werden.
z. B. notwendige Wege zu Kurs, Gruppe, Beratung oder Aktivität
z. B. begründete Kurs- oder anteilige Vereinskosten
z. B. notwendige Ausstattung oder konkrete Qualifizierungsschritte
nur nach transparenten, dokumentierten Vergaberegeln
Kein Bargeld-Fonds: Vorgesehen ist keine freie Barauszahlung. Geprüft werden sollen Direktzahlungen, Gutscheine oder beleggebundene Erstattungen. Die endgültigen Regeln werden mit Förderpartnern und steuer-/gemeinnützigkeitsrechtlicher Beratung festgelegt.
6 · Bewusst keine neue Gesundheits-App
Technologie darf unterstützen. Sie ist nicht das Produkt.
Digitale Werkzeuge können intern bei Terminorganisation, einem freiwilligen Kompass-Plan, Partnerverzeichnissen, Mehrsprachigkeit oder Evaluation helfen. Aber niemand soll ein Smartphone, eine KI oder ein anderes BRÜCKEN-Digitalprojekt benötigen, um am Kompass teilzunehmen.
Das eigentliche Produkt ist funktionierende Verbindung zwischen Mensch und realem Leben.
Für wen ist der Nüchterne Kompass gedacht?
- Menschen nach Entgiftung, Therapie oder Rehabilitation
- Menschen in früher oder stabilisierter Abstinenz
- Menschen nach einer bewältigten Rückfall- oder Krisenphase
- Menschen, die professionelle Behandlung nutzen, aber zusätzliche soziale Orientierung benötigen
- Menschen, deren Genesung durch Einsamkeit, fehlende Tagesstruktur, Arbeitslosigkeit, instabiles Wohnen oder andere soziale Belastungen erschwert wird
- Menschen, die nach einer längeren Suchterkrankung gesellschaftliche Beziehungen neu aufbauen müssen
- Menschen, die aufgrund von Sprache, Migrationserfahrung oder anderen Barrieren schwerer Anschluss an bestehende Angebote finden
Zum Start soll das Modell mindestens auf Deutsch und Russisch zugänglich sein. Weitere Sprachen sollen abhängig von Bedarf, Partnerstruktur und Finanzierung ergänzt werden.
Was der Kompass nicht ersetzt
Keine Behandlung
Kein Ersatz für medizinische Behandlung, Psychotherapie, Entzug oder Rehabilitation.
Keine Krisenmedizin
Bei akuter medizinischer oder psychischer Gefahr gelten die bestehenden professionellen Notfallwege.
Keine Parallel-Suchtberatung
Der Kompass soll bestehende Fachangebote ergänzen und Übergänge erleichtern, nicht vorhandene Strukturen kopieren.
Keine Dauerabhängigkeit
Begleitung soll mit wachsender Eigenständigkeit enden können. Das Ziel ist Teilhabe, nicht Bindung an ein neues System.
Woran wir Wirkung messen wollen
Ein Recovery-Projekt ist nicht erfolgreich, weil viele Formulare ausgefüllt oder Kontakte vermittelt wurden. Entscheidend ist, ob sich im realen Alltag etwas verändert. Deshalb soll eine unabhängige wissenschaftliche Begleitung angestrebt werden.
Wer erreicht das Projekt – und welche Menschen werden von klassischen Angeboten bislang schlechter erreicht?
Wie viele Teilnehmende bleiben im vereinbarten Prozess? Wo entstehen Abbrüche und warum?
Entstehen regelmäßige Aktivitäten außerhalb der klassischen Hilfestruktur?
Verändern sich erlebte Einsamkeit, Zugehörigkeit und tragfähige Kontakte?
Erleben Teilnehmende mehr Selbstwirksamkeit und Orientierung im Alltag?
Können relevante Belastungen stabilisiert oder geeignete weiterführende Hilfen erreicht werden?
Was wird als hilfreich erlebt? Wo entstehen Grenzen, Belastungen oder Risiken?
Welche kleinen finanziellen Hürden treten tatsächlich auf – und welche Unterstützung ermöglicht reale nächste Schritte?
Abstinenz- und Rückfallverläufe können – sofern fachlich, ethisch und datenschutzrechtlich sinnvoll – explorativ betrachtet werden. Der Nüchterne Kompass verspricht keine künstliche Rückfallverhinderungsquote.
Co-Design: Nicht über Menschen hinweg entwickeln
Menschen mit eigener Suchterfahrung sollen an der Entwicklung beteiligt werden. Geplant ist ein Co-Design mit Betroffenen, Angehörigen, Suchthilfe, Sozialarbeit, Selbsthilfe, Wissenschaft, Kommunen sowie Arbeits-, Bildungs-, Sport- und Kulturakteuren.
Ein wissenschaftlicher Partner soll insbesondere Evaluationsdesign, geeignete Messinstrumente, Datenschutz und Transferfähigkeit begleiten.
Vorläufiger Entwicklungsplan
Phase 0 · Fachkonzept & Partner
Bedarfsanalyse, Co-Design, Rollenmodell, Safeguarding, Finanzierung, Förderanträge, wissenschaftliche Partnerschaft und erstes kommunales Netzwerk.
Phase 1 · Modell entwickeln
Kompass-Plan, Navigator-Curriculum, Supervision, Fondsregeln, Qualitätsrahmen für KOMPASS-ORTE und Evaluationsdesign.
Phase 2 · Erster Praxis-Pilot
Erste Teilnehmende aufnehmen, Navigatoren einsetzen, Teilhabe-Fonds erproben und KOMPASS-ORTE praktisch testen.
Phase 3 · Modellbetrieb & Evaluation
Ausweitung auf bis zu 150 Teilnehmende, strukturierte Evaluation, Anpassung der Methode und Ausbau des Partnernetzwerks.
Phase 4 · Transfer entscheiden
Ergebnisse veröffentlichen. Was funktioniert, wird standardisiert. Was nicht funktioniert, wird verändert oder beendet. Danach wird über NRW-, Bundes- oder europäischen Transfer entschieden.
Planungsrahmen 2027–2030: 372.800 €
Diese Summe richtet sich an institutionelle Förderpartner – nicht als Erwartung an einzelne Spenderinnen und Spender. Sie ist ein früher Gesamtplanungsrahmen für ein mehrjähriges Modellprojekt und noch keine bewilligte Fördersumme oder endgültige Kostenkalkulation.
Fachkonzept, Co-Design & Projektaufbau
Bedarfsanalyse, Beteiligung, Fachberatung, Rollen- und Schutzkonzept, lokale Netzwerkanalyse und Projektvorbereitung.
Recovery Navigation & fachliche Begleitung
Personal, Koordination, Qualifizierung, Supervision, Begleitung der Teilnehmenden und Qualitätssicherung.
KOMPASS-ORTE & kommunales Netzwerk
Partnergewinnung, Koordination, Schulungen, Qualitätsrahmen, Veranstaltungen und Transferstruktur.
KOMPASS-FONDS für Teilhabe
Projektgebundene Mittel zur Beseitigung konkreter kleiner Barrieren nach transparenten Vergaberegeln.
Wissenschaftliche Evaluation
Evaluationsdesign, Datenerhebung, qualitative und quantitative Auswertung, Wirkungsbericht und Transferempfehlungen.
Mehrsprachigkeit & Barrierearmut
Übersetzungen, barrierearme Materialien und unterstützende freiwillige Organisationswerkzeuge.
Safeguarding, Recht & Qualitätsstruktur
Datenschutz, Versicherungs- und Haftungsfragen, Prüfung des Fondsmodells, Schutzkonzepte und externe Fachberatung.
Projektsteuerung, Transparenz, Transfer & Reserve
Controlling, Fördermanagement, Dokumentation, Kommunikation, Transfermaterialien und begrenzter Risikopuffer.
Modular förderbar: Kommunen, Länder, Stiftungen, Unternehmen oder andere Partner müssen nicht das Gesamtprojekt finanzieren. Einzelne Arbeitspakete können – je nach Förderfähigkeit und Förderbedingungen – separat oder gemeinsam kofinanziert werden.
Zwei Finanzierungswelten – eine Wirkung
Für öffentliche & institutionelle Förderer
Hier geht es um das Gesamtmodell: Struktur, Personal, Pilotbetrieb, Qualität, Evaluation und Transfer. Der vollständige Planungsrahmen ist deshalb transparent sichtbar.
Förderlogik: Modellprojekt statt Einzelmaßnahme.
Für Bürgerinnen & Bürger
Niemand muss „372.800 Euro finanzieren“. Private Spenden tragen konkrete Projektbausteine und Teilhabeschritte mit.
Fundraising-Logik: verständlicher nächster Schritt statt abstraktes Millionenbudget.
1.000 SCHRITTE ZURÜCK INS LEBEN
Für die öffentliche Spendenkampagne soll nicht die Millionenzahl im Mittelpunkt stehen, sondern das gemeinsame erste Ziel:
Ein Schritt kann Mobilität, einen Kurs, einen ersten Vereinskontakt, eine notwendige Ausstattung oder einen anderen begründeten Teilhabebaustein mitfinanzieren. Die konkrete Verwendung folgt den später festgelegten Projekt- und Fondsregeln.
Warum der Ansatz förderpolitisch anschlussfähig ist
Recovery und soziale Reintegration werden auf europäischer Ebene ausdrücklich gemeinsam mit Behandlung gedacht. Die EU Drugs Strategy 2026–2030 betont Recovery, soziale Reintegration und die Zusammenarbeit von Gesundheits-, Sozial- und Beschäftigungsstrukturen. Der ESF Plus setzt in Deutschland unter anderem Schwerpunkte bei sozialer Inklusion und sozialen Innovationen.
Das bedeutet nicht, dass ein bestimmter Fördertopf bereits zugesagt oder automatisch passend ist. Für jeden Antrag müssen Förderaufruf, Zielgruppe, Förderquote, Laufzeit und Antragsberechtigung separat geprüft werden.
- EU Drugs Strategy 2026–2030 – öffentliche Grundlage zu Treatment, Recovery und Reintegration.
- ESF Plus – Förderprogramme in Deutschland – unter anderem soziale Inklusion und soziale Innovationen.
Vom lokalen Pilot zum European Recovery Compass
Wenn das Modell in Deutschland tragfähig ist, soll es so dokumentiert werden, dass nicht jede Region wieder bei null anfangen muss. Daraus kann perspektivisch der European Recovery Compass als übertragbares Community-Modell entstehen – nicht als europäische Mega-App.
Übertragbar wären insbesondere Recovery Navigation, 100-Tage-Modell, Kompass-Plan, Navigator-Curriculum, Safeguarding, KOMPASS-ORTE, Teilhabe-Fonds und ein gemeinsamer Evaluationsrahmen. Lokal bleiben Hilfesysteme, Sozialleistungen, Sprachen, Partner und Arbeitsmarktstrukturen.
Transparenz statt großer Versprechen
Der Nüchterne Kompass ist heute ein eigenständiges Modellkonzept in Konzept- und Förderphase. Es gibt noch keinen laufenden 100-Tage-Pilot, kein flächendeckendes Netz von KOMPASS-ORTEN und keinen bereits finanzierten Teilhabe-Fonds.
- Wir versprechen nicht: „100 Tage und ein Mensch ist geheilt.“
- Wir versprechen nicht: „Jeder Kompass-Schritt verhindert einen Rückfall.“
- Wir versprechen nicht: „Eine soziale Maßnahme löst alle Folgen einer Suchterkrankung.“
Unser Anspruch: entwickeln, erproben, messen, offen berichten und verbessern.
Häufige Fragen
Ist der Nüchterne Kompass eine App?
Nein. Der Kompass ist als eigenständiges Recovery- und Teilhabemodell geplant. Digitale Werkzeuge können organisatorisch unterstützen, sind aber nicht Voraussetzung.
Brauche ich das Frühwarnsystem oder den Krisen-Chat?
Nein. Der Kompass soll vollständig eigenständig funktionieren. Freiwillige Übergänge zwischen BRÜCKEN-Angeboten können später möglich sein, wenn die betroffene Person das ausdrücklich möchte.
Was ist BRÜCKEN CONNECT in diesem Zusammenhang?
CONNECT ist perspektivisch eine freiwillige Verbindungsfunktion innerhalb der digitalen BRÜCKEN-Strategie. Der Nüchterne Kompass ist dagegen ein eigenes Recovery-Modell mit eigenem Zugang, eigener Finanzierung und eigener Evaluation.
Bekommen Teilnehmende Geld aus dem KOMPASS-FONDS?
Kein frei verfügbares Bargeld. Geplant ist eine transparente, dokumentierte und gemeinnützigkeitsrechtlich geprüfte Struktur, zum Beispiel über Direktzahlungen, Gutscheine oder beleggebundene Erstattungen für konkrete Teilhabebarrieren.
Sind die 372.800 € bereits bewilligt?
Nein. Das ist ein vorläufiger Gesamtplanungsrahmen. Exakte Kosten und tatsächlicher Förderbedarf werden anhand von Laufzeit, Personal, Partnern, Angeboten und Förderbedingungen konkretisiert.
Ist meine Spende steuerlich absetzbar?
Brücken Suchthilfe e.V. ist gemeinnützig. Bis 300 Euro genügt dem Finanzamt in der Regel Ihr Kontoauszug; für höhere Beträge erhalten Sie nach Geldeingang eine Zuwendungsbestätigung nach amtlichem Muster.